Medizinertest – ein Erfahrungsbericht

Jule M. berichtet von ihrem Medizinertest im Mai 2018.

Ich habe kaum geschlafen. Das Frühstück habe ich auch fast nicht runter bekommen. Heute geht es um alles, ich nehme am Medizinertest teil, meiner ganzen beruflichen Zukunft kann dieser Test den Weg bereiten.

Vor mir liegen stundenlange Konzentration und eine Menge verschiedener Test, für die keinerlei Hilfsmittel erlaubt sind. Kein Taschenrechner, kein Handy, nur etwas Proviant und ein paar Stifte sind meine Begleiter.

Die Halle, in der der Test stattfindet ist riesig. Militärisch angeordnete Reihen mit Tischen und Stühlen, für jeden Teilnehmer ein festgelegter Platz. Jeder von uns wird kontrolliert: Einladung, Personalausweis, unerlaubte Gegenstände.

Der Test beginnt, meine Hände sind klitschnass, mein Herz schlägt mir bis zum Hals. “Bleib ruhig, atme gleichmäßig“ sage ich zu mir selbst. So schlimm ging es mir nicht mal im Abi. Zwar habe ich an einigen Probetests zu Hause geübt, aber eine Prüfungssituation ist eben doch etwas anderes. Außerdem wird hier kein Wissen abgefragt, für das man gezielt lernen kann, sondern logisches Denken, Schnelligkeit, Merkfähigkeit und Intelligenz werden auf die Probe gestellt.

Der Testleiter gibt uns genaue Anweisungen. Erst auf seine Aufforderung hin, dürfen wir die entsprechenden Testhefte öffnen oder Seiten umblättern.

Erster Test: Muster zuordnen. Ausschnitte aus irgendwelchen Zellen, Geweben oder sonstigen wirren Zeichnungen müssen zum Bild passend ausgewählt werden. Sie sind sich so ähnlich, es könnten alle sein. Und ich habe nur 22 Minuten Zeit um 24 Aufgaben zu bearbeiten. Gleich danach gilt es verschiedene medizinische und naturwissenschaftliche Texte zu lesen, zu verstehen und die richtigen Antworten dazu auszuwählen, Multiple Choice macht es nicht einfacher, weil ja mehrere Antworten richtig sein können. In nur einer Stunde wieder 24 Aufgaben….

Jetzt kommen die Schlauchfiguren. Endlich etwas, was mir gut von der Hand geht. In durchsichtigen Würfeln befinden sich Schläuche, die Würfel werden gedreht und ich muss entscheiden, in welche Richtung. Diese 24 Aufgaben schaffe ich in den 15 Minuten ganz gut.

Ganz anders läuft es mit den quantitativen und formalen Problemen. Mengen, Konzentrationen, Verhältnisse berechnen. Kann man schaffen, allerdings nicht in der Kürze der Zeit. Gut, dass ich meine Mathe- und Physikkenntnisse aus der Mittelstufe nochmal vollständig aufgearbeitet und mich im Kopfrechnen geübt habe!

Bevor der Kopf endlich eine wohl verdiente Pause bekommt muss im Untertest konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten noch eine ganze Seite Zahlen nach bestimmten Kriterien durchsucht werden. „Markiere die 8, wenn die Zahl davor und danach in Summe 8 ergeben. In 8 Minuten auf keinen Fall zu schaffen. Mein einziger Trost ist der, dass die Tests so angelegt sind, dass sie gar nicht vollständig zu lösen sind.

PAUSE. Mein Kopf dreht sich. Ich muss an die Luft, durchatmen, die Gliedmaßen bewegen. Mein Magen knurrt, auch getrunken habe ich während des Tests bisher kaum. Zu riskant. Wer aufs Klo geht, verliert wertvolle Zeit.

Die ersten 10 Minuten nach der Pause verbringe ich mit Formen lernen oder besser gesagt damit, mir zum einen undefinierbare Formen einzuprägen, die in 5 Segmente unterteilt sind. Eines davon ist jeweils schwarz gefärbt. Das muss ich mir für 20 Formen einprägen. Das geht nur mit Bildassoziationen: ein Sattel, ein Kreuz, ein Dreieck. Direkt danach geht’s an Fakten lernen: 15 fiktive Patienten mit Namen, Alter, Beruf, Eigenschaft und Symptomen einprägen. Hier gilt natürlich wieder „keine Notizen“ und sofortige Rückgabe des Heftes.

Jetzt gibt es einen Sprung: Textverständnis. Ich muss medizinische Texte lesen, verstehen und die dazu passenden Antworten ankreuzen. Wo ist noch Platz im Kopf? Da parken doch gerade die Muster und Patienten…..?!

Erst nach einer Stunde darf ich die wieder aktivieren…Jetzt muss ich nämlich reproduzieren. Welche Felder waren nochmal geschwärzt? Hatte Herr Klaus die Hernie oder ist Frau Weber die Kindergärtnerin? Hier stehen nur 5 Minuten für die Formen und 7 Minuten für die Patienten zur Verfügung…..aaaaah, ich kann nicht mehr. Aber, es kommt noch ein Prüfungsteil: Diagramme und Tabellen.

Statistiken und Wertetabellen werden erklärt und es müssen dazu wieder Multiple Choice-Fragen beantwortet werden. Ganz schön tricky. Eigentlich mag ich Diagramme, aber dieses Wirrwarr zu durchschauen ist echt nicht leicht. Und wieder nur eine Stunde für 24 Aufgaben.

Ich bin fix und fertig. Dass dieser Test anstrengend sein würde, war mir klar. Aber so hätte ich es mir nicht vorgestellt. Andererseits: Jetzt hab ich es hinter mir. Und eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Ich habe viel beantworten können, hoffentlich haben sich nicht zu viele Fehler eingeschlichen. Jetzt aber ab nach Hause, essen, entspannen, abschalten. Und auf das Testergebnis warten….

(Anmerkung der Redaktion: Jule gehörte übrigens zu den Besten 10% der Testteilnehmer und konnte sich einen Studienplatz in Heidelberg-Mannheim sichern!)

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Veranstaltungen

  1. Elternseminar | 14.12.2018 12:00 | Frankfurt a.M.

    14. Dezember um 12:00 - 16:00
  2. Elternseminar | 01.02.2019 14:00 | Berlin

    1. Februar 2019 um 14:00 - 18:00
  3. Elternseminar | 22.02.2019 14:00 | Berlin

    22. Februar 2019 um 14:00 - 18:00