Medizin-Aufnahmetests in Deutschland und Österreich: Was sind die Unterschiede?

Wenn du im deutschsprachigen Raum Medizin studieren möchtest, aber kein 1,0er-Abi mitbringst, kannst du zum Glück an verschiedenen Aufnahmetests teilnehmen. Während die deutschen Tests je nach Uni unterschiedlich prozentual gewichtet werden, gibt es in Österreich einen Medizinertest, der 100 Prozent deiner Aufnahmechancen ausmacht.

Das Redaktionsteam des internationalen Medizinertest-Infoportals Dr. Test hat die wichtigsten Informationen zu den verschiedenen Aufnahmeprüfungen für dich zusammengefasst:

Abseits von NC und Wartesemestern: Die Medizinertests in Deutschland und Österreich

In Deutschland werden 20 Prozent der Studienplätze an die Abiturbesten eines Bundeslandes vergeben. Weitere 20 Prozent der Plätze gehen an die Abiturienten mit den meisten Wartesemestern seit Schulabschluss. Falls diese 40 Prozent der vergebenen Plätze für dich persönlich keine Relevanz haben, solltest du dich über individuelle Auswahlverfahren der Universitäten informieren: An über 20 deutschen Universitäten kannst du deine Chancen auf einen Medizin-Studienplatz mit einem Medizinertest verbessern.

Neben dem Studierfähigkeitstest der Uni Münster gibt es den TMS, der an 23 verschiedenen deutschen Universitäten in die Gesamtwertung der Bewerber eingeht. Darüber hinaus wird an drei Universitäten der HAM-Nat eingesetzt wird (Universität Hamburg, Charité Berlin und Otto von Guericke Universität Magdeburg).

In Österreich werden Studienplätze ausschließlich auf Basis der Ergebnisse des österreichweit einheitlichen Medizin-Aufnahmetests MedAT vergeben – Abitur- bzw. Maturanoten und Wartesemester spielen hier keine Rolle.

TMS, HAM-Nat und MedAT: Was dich erwartet und wie deine Chancen stehen

Der TMS ist ein fachspezifischer Studierfähigkeitstest und testet dein Verständnis für naturwissenschaftliche und medizinische Problemstellungen. Der jeweilige Anteil, den das TMS-Testergebnis auf die Gesamt-Auswahlnote der Hochschulen hat, schwankt von Uni zu Uni. An einigen Universitäten geht der TMS neben dem Abiturnotenschnitt (51%) mit 49% in die Gesamtbewertung ein (z.B. in Köln, Bochum, Frankfurt). In München wiederum verbessert sich deine Gesamt-Auswahlnote beispielsweise um bis zu 0,8, wenn du unter den besten 10 Prozent der TMS-Teilnehmer bist. Beim TMS ist es daher besonders wichtig, dass du dir die Regularien deiner Wunsch-Hochschulen genau durchliest. Falls du einen sehr guten Abitur-Notendurchschnitt hast, darfst du nicht vergessen, dass an Hochschulen, die den TMS mit ihrem NC fast gleichstellen, gute TMS-Teilnehmer dich in der Rangliste überholen können, falls du nicht am TMS teilnimmst. Egal welchen Abi-Schnitt du hast, ist es beim TMS besonders wichtig, dass du dich über zahlreiche Übungsmöglichkeiten (z.B. mit Büchern im Selbststudium oder mit Vorbereitungskursen) sehr gut auf den Test vorbereitest, da du nur einmal im Leben (!) am TMS teilnehmen kannst.

Das Punktesystem der Rangliste an Hochschulen, die den Naturwissenschaftsteil des „Hamburger Auswahlverfahrens für medizinische Studiengänge“ (kurz HAM-Nat) einsetzen, besteht aus zwei Kategorien: Maximal 60 Punkte deiner Ranglisten-Gesamtpunktzahl gehen aus der Abiturdurchschnittsnote in die Bewertung ein (⌀1,0 = 60 Punkte) und weitere maximal 59 Punkte fließen aus dem HAM-Nat-Ergebnis in die Gesamtwertung ein. Durch den fachspezifischen Studierfähigkeitstest werden medizinisch relevante Aspekte der Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Biologie im Multiple Choice-Verfahren überprüft. In Hamburg werden ca. 1.200 Bewerber zum HAM-Nat eingeladen, um ihren Abiturschnitt verbessern zu können und nur ca. 215 erhalten am Ende auch die Zulassung. An der Berliner Charité und Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, den anderen zwei Einrichtungen, die den HAM-Nat einsetzen, sind es jeweils weniger Bewerber, die zugelassen und anschließend auch aufgenommen werden. Falls es beim ersten Anlauf über den HAM-Nat nicht klappen sollte, kannst du es – im Gegensatz zum TMS – in den nächsten Jahren immer wieder probieren.

Der MedAT in Österreich besteht für angehende Humanmediziner aus einem naturwissenschaftlichen Wissenstest (40% der Gesamtpunktzahl) sowie den Test-Teilen „Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten“ (40%), „Sozial-emotionale Kompetenzen“ (10%) und „Textverständnis“ (10%). Nur etwa jeder 9. Bewerber erhält am Ende einen Platz für Humanmedizin oder Zahnmedizin – wie beim HAM-Nat kannst du allerdings auch beim MedAT immer wieder antreten, falls du es nicht beim ersten Versuch schaffst.

Eine Besonderheit in Österreich ist die Quotenregelung bei der Vergabe der Studienplätze: An Abiturienten aus dem EU-Ausland (inkl. Deutschland) werden nur 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Plätze vergeben. Drei Viertel der Studienplätze gehen an Österreicher und die restlichen fünf Prozent an Abiturienten aus anderen Drittstaaten. Insgesamt stehen in Österreich 1.620 Plätze für das Medizin-Studium zur Verfügung. Je nachdem, wo du Humanmedizin oder Zahnmedizin studieren willst, gibt es ein unterschiedlich großes Kontingent: Mit Abstand das größte Angebote an Plätzen gibt es an der MedUni Wien (Humanmedizin: 660 / Zahnmedizin: 80), gefolgt von der MedUni Graz (336 / 24) und der MedUni Innsbruck (360 / 40). Die JKU Linz bieten nur 120 Plätze für angehende Humanmediziner an und keine Plätze für Zahnmediziner.

Wenn du mehr über die Aufnahmetests in Deutschland und Österreich erfahren möchtest, findest du bei Dr. Test weitere ausführliche Informationen und Erfahrungsberichte. Auf aufnahmeprüfung.at findest du außerdem weitere Informationen zu den verschiedenen Aufnahmeverfahren in Österreich.

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