Zahnmedizin Studium in Osteuropa 1


Unsere Kundin Sina zeigt in diesem Erfahrungsbericht zur Bewerbung für das Medizinstudium an den osteuropäischen Unis, wie sie die Bewerbung für das Medizinstudium in Ungarn, Polen, der Slowakei und Lettland angegangen ist, auf was es ihr bei der Wahl der Uni und des Standortes ankam und wie sie ihre Bewerbungen und die Aufnahmetests vorbereitet hat.

Vielen Dank, liebe Sina, dass du deine Erfahrungen zur Bewerbung für das Medizinstudium in Osteuropa teilst und damit hoffentlich auch vielen anderen Mut machst, ihren Traum vom Arztberuf anzugehen!

Ich bin Sina, komme aus Berlin und habe 2013 mein Abi mit 2,4 gemacht. Schon in den letzten zwei Schuljahren hatte ich den Wunsch nach dem Abi Zahnmedizin zu studieren. Ich war mir des enormen NCs auf diesem Studienfach bewusst, dachte jedoch das würde schon alles werden. Nach dem Abi  bin ich erstmal ein Jahr durch Australien gereist. 9 Monate Work and Travel, ich dachte, das wäre die Gelegenheit meinen Berufswunsch vielleicht noch einmal gründlich zu überdenken, um mit der perfekten Lösung zurück nach Deutschland zu kommen. Es stellte sich jedoch heraus, dass man in Australien viel bessere Dinge zu tun hat, als sich über die ferne Zukunft Gedanken zu machen…

Und so kam ich also im Sommer 2014 wieder nach Berlin und stand vor genau demselben Problem, wie schon zuvor. Beworben hatte ich mich nun schon zum 3. Mal für Zahnmedizin, natürlich ohne Erfolg. Langsam wurde mir klar, dass die Gerüchte über das endlose Warten auf einen Platz im Medizinstudium wohl oder übel etwas Wahrheit an sich haben.
Ich habe dann zum Herbst ein FÖJ im Naturkundemuseum in Berlin begonnen, um mir noch etwas Zeit zum Nachdenken zu verschaffen. So bin ich nach einigem Recherchieren auf planZ gestoßen und habe dort eine Studienberatung mitgemacht. Ich wollte alles noch einmal von vorne aufrollen, mich nicht nur auf Medizin konzentrieren. Zum Schluss kamen ein paar sehr interessante Studiengänge dabei heraus. Und eine weitere, noch überhaupt nicht angedachte Alternative zum Zahnmedizinstudium in Deutschland: Ein Studium im Ausland.

Ich hatte anfangsStandortwahl noch einige Zweifel, letztendlich habe ich mich aber für diesen Weg ins Ausland entschieden. Ich habe also angefangen, mir aus den verschiedenen Hochschulen, die englischsprachige Zahnmedizinstudiengänge in Osteuropa anbieten, mit Hilfe von planZ acht herauszusuchen:

2 deutschsprachige Studiengänge in Ungarn (Pecs und Budapest), Riga, Breslau, Stettin, Brno, Pilsen und Bratislava. Hauptsächliche habe ich dabei eigentlich nach der Höhe der Studiengebühren, der Erreichbarkeit und den Aufnahmekriterien ausgewählt.

Ich würde auch behaupten, dass 8 Unis reichen, weil die Bewerbungen wirklich zeit- und kraftraubend sind. So musste ich von Amt zu Amt rennen um alle Bescheinigungen und Beglaubigungen letztendlich zusammen zu haben. Die größten Probleme hatte ich persönlich bei den ärztlichen Bescheinigungen, die aber auch nicht alle Unis verlangen. Es müssen einige Tests gemacht werden, die ein wenig dauern. Die meisten Probleme hatte ich aber auch nur, weil meine Hausärztin kein Englisch spricht und ich mir dadurch erst einmal einen neuen Arzt suchen musste. Ich denke also nicht, dass man das Problem verallgemeinern kann, jedoch sollte man es vllt auch nicht allzu spät angehen. Einige verlangte Tests werden in Deutschland auch nicht mehr von allen Ärzten durchgeführt, ich habe dann einfach bei der Uni nachgefragt und die meinten, dass ich diese auch später im entsprechenden Land machen und nachreichen kann, also würde ich mich von solchen aufkommenden Problemen nicht aufhalten lassen.

Hinzu kam der TOEFL, ein Englischzertifikat, das einige Unis wünschen. Der Test geht 4 Stunden und ist sehr nervenaufreibend. Ich habe zur Vorbereitung einen Volkshochschulkurs belegt und Filme und Bücher in Englisch gesehen und gelesen und letztendlich ist der Test auch gut zu schaffen. Die Riga Stradins University wollte zusätzlich noch ein Motivationsschreiben und zwei Empfehlungsbriefe von früheren Naturwissenschaftslehrern oder Zahnärzten. Das gestaltete sich auch etwas schwierig, da die Briefe natürlich auf Englisch sein müssen und keiner der beiden Leute, die mir anboten diese zu schreiben, Englisch sprachen. Aber es gibt auch die Möglichkeit, sie auf Deutsch von einem zertifizierten Übersetzter übersetzten zu lassen, kostet nur wieder zusätzlich Geld. Und es gab natürlich die Aufnahmetests der verschiedenen Unis. Eine große Hilfe bei der Bewerbung war auch College Contact, eine deutsche Organisation, die einem kostenlos bei der Bewerbung an ihren Partnerunis im Ausland hilft. Dadurch hat man einen sehr freundlichen, kompetenten und deutschsprachigen Ansprechpartner, was sehr vieles erleichtert.

Um mich dem allen zu widmen brach ich also im Frühjahr mein FÖJ ab und fing fulltime an mich zu bewerben und auf die Tests vorzubereiten. planZ empfahl mir einen Nachhilfelehrer, mit dem ich meine Defizite in Bio, Chemie und Physik aufarbeitete. Dazu ist zu sagen, dass ich Physik ab der 10. und Chemie nach der 11., als mein schlechtestes Fach in der Oberstufe abgewählt habe. Ich stand also vor einem ziemlichen Loch, dass ich innerhalb von 1 ½ Monaten füllen musste. Ich muss sagen, es war eine wirklich harte Zeit und habe mich von morgens bis abends reingehangen, doch es hat sich auf jeden Fall zu 100% gelohnt und ich kann sagen, es ist auch auf jeden Fall zu schaffen!

Ich habe Anfang Juni meinen 1. Test für die Masaryk University in Brno (Website) geschrieben. Der Test fand in Münster, organisiert von College Contact statt. Ich fuhr also schon einen Tag zuvor mit dem Bus von Berlin nach Münster und versuchte, zwischen dem lautstraken Gebrabbel der anderen Fahrgäste, noch einmal alles durchzugehen. Ich hatte mir ein paar Tage zuvor einige, im Internet zur Verfügung stehende Test der letzten Jahre angeguckt und war total verzweifelt. Ich hatte zunächst jeglichen Stoff in Deutsch aufgearbeitet, da es mir wichtig war auch alles in der kurzen Zeit zu verstehen. Der Test war natürlich komplett auf Englisch, wodurch einige Fragestellungen sehr kompliziert und unverständlich wirken.
Ich habe mir dazu einen Biochemiestudenten zu Rate gezogen, der auch einige Jahre in England studiert hatte. Zusammen gingen wir alle Fragen durch und lösten sie gemeinsam. In Chemie gibt es auch einige Fragen, die rechnerisch gelöst werden müssen.
Ich hatte keine Ahnung was von mir gewollt war, doch es stellte sich heraus, dass man nur einige Formeln benötigt um alles einfach lösen zu können. Mit mir saßen ca. 30 andere Deutsche mit im Raum, die den Test auch mitschrieben. Alle geschätzt ungefähr in meinem Alter. Man konnte neben Bio und Chemie zwischen Mathe oder Physik als Prüfungsteil entscheiden. Eine sehr nette Frau, die aus Brno angereist war, erzählte uns noch etwas über die Uni und beantwortete ein paar Fragen und dann hatten wir 3 Stunden Zeit den Test zu bearbeiten. Es gab keine offizielle Pause zwischendurch und ich persönlich habe alle drei Stunden vollkommen ausgenutzt, also man sollte lieber vorher noch einmal auf Toilette gehen, als während des Tests. Einige waren aber auch schon viel früher fertig, ob sie wirklich fertig waren oder nichts mehr wussten weiß ich nicht. Der Test im Endeffekt war nicht wirklich einfach, doch es lohnt sich vor allem in Bio, die alten Testfragen zu lernen, da diese teilweise identisch wiederverwendet werden. Chemie geht teilweise schon ziemlich tief, jedoch bin ich auch dort durch die viele Nachhilfe gut durchgekommen. In Physik hatte ich eher Glück, dass es ein Multiple Choice Test ist und, dass die 60%, die geschafft werden müssen um den Test zu bestehen, vom Ergebnis aller 3 Fächer insgesamt gezählt werden. Aber das lag eher daran, dass ich Physik nicht so gut kann, daher kann ich auch nicht gut einschätzen ob der Teil besonders schwer oder leicht war. Auf jeden Fall hielt ich schon einige Tage später meine erste Zusage in der Hand. Das war ein super Gefühl, hätte ich doch wirklich nicht gedacht es wirklich noch zu diesem Wintersemester in mein Wunschstudium zu schaffen.

Für den zweiten Test musste ich direkt zur Uni nach Pilsen (Website) fahren, im Endeffekt war das gesamte Prozedere aber nicht anders. Anders war nur, dass es um einiges mehr Leute waren, die den Test schrieben und, dass auch einige aus andren Ländern dabei waren. Jedoch komischerweise nicht allzu viele, was eventuell daran liegt, dass Pilsen sehr nah an der Deutschen Grenze liegt. Vor dem Test wurden unsere Reisepässe geprüft und dann noch einige Anweisungen zum Test gegeben. Auch hier konnte man das Englisch der Zuständigen dort sehr gut verstehen. Der Test war etwas länger als der in Münster und es gibt sehr wenige Informationen im Internet, mit denen man sich gut auf diesen Test vorbereiten kann. Jedoch sind es im Endeffekt so ziemlich dieselben Themengebiete, wie im Test der Masaryk, der Test in Pilsen ist meiner Meinung sogar um einiges einfacher. Hier wurde nach jedem einzelnen Test eine kurze Pause gemacht und es muss in jedem der 3 Themengebiete 50% geschafft werden um zu bestehen, man sieht also, sogar ich mit meinen Defiziten in Physik bin durchgekommen.

Der 3. und letzte Test den ich schreiben musste, war in Bratislava an der Comenius University (Website). Hier konnte man sich, nach Informationen auf der Internetseite der Uni, ein kleines Heft, mit 500 Fragen zu Chemie, 500 Fragen zu Biologie und deren Antworten, kaufen. Und dieses Buch ist zu 1000% zu empfehlen, da der Test im Endeffekt haargenau auf dieses Fragen beruht. Ich hätte das ehrlich gesagt wirklich nicht erwartet und habe daher neben den Fragen selber eher die gesamten Themengebiete erarbeitet und versucht zu lernen, was letztendlich ein ganz schöner Haufen ist. Der Test selber lief ähnlich, wie die anderen ab, nur wurde alles etwas strenger genommen. So mussten wir Taschen, ect. vorher abgeben und bekamen einen uni-eigenen Stift und Taschenrechner. Diesen Test habe ich nicht bestanden, aber auch nur, weil ich die Fragen nicht eins zu eins auswendig gelernt hatte. Also mit der richtigen Herangehensweise würde ich behaupten, ist dieser Test einer der am leichtesten zu bestehen ist.

Nach und nach kamen von den meisten anderen Unis, die keinen Test verlangt hatten, mehr und mehr Zusagen. Letztendlich haben noch die beiden deutschsprachigen Unis in Ungarn abgesagt, von den restlichen habe ich eine Zusage erhalten, auch  wenn Breslau sich wirklich sehr viel Zeit mit den Bescheiden lässt.

Jetzt stand ich vor einem neuen Problem: Für welche Uni soll ich mich entscheiden? Das war eine der schwersten Entscheidungen überhaupt, weil es einfach eine Entscheidung für die nächsten mindestens 5 Jahre ist!

Ich habe angefangen Leute über Facebook und E-Mail zu kontaktieren, die mir planZ und College Contact vermittelten und die schon seit einigen Jahren an den unterschiedlichen Unis studieren. Das war extrem hilfreich, vor allem auch im Hinblick auf die Motivation das Studium im Ausland zu beginnen, da von allen nur durchweg positives Feedback kam und auch viele Tipps und Hilfestellungen für das angehende Studium. Ich bin dann in die verschiedenen Städte gefahren, die ich noch nicht durch einen der Test gesehen hatte und habe mir Stadt und Uni genauer angeguckt. Weiterhin habe ich mir auch viele Berichte und Kommentare über die Unis im Internet angeschaut um mir ein Bild von ihnen zu machen. Ich habe zum Schluss zwischen zwei Unis große Probleme gehabt zu entscheiden, aber habe mich letztendlich für Stettin entschieden. Die Gründe lagen bei mir als Berlinerin, vor allem in der Nähe und der guten Erreichbarkeit. Aber auch daran, dass Stettin die beste zahnmedizinische Ausbildung in Polen bieten soll und die billigsten Studiengebühren unter all den Unis, an denen ich mich beworben hat.

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Ein Gedanke zu “Zahnmedizin Studium in Osteuropa

  • Ire

    Liebe Sina hat eine sehr gute Wahl gemacht. Die Zahnmedizin in Szczecin war schon zu meiner Zeit sehr gut. Ich wünsche Ihr viel Spaß und Erfolg! Vielleicht findet sie sogar Zeit um Polnisch zu lernen. So kann sie die Zeit noch besser nützen und Polen besser kennen lernen.

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