Zahnmedizin Studium in Osteuropa 1


Sina  – eine Teilnehmerin der Studienberatung bei planZ erklärt, wie sie sich für das Medizinstudium in Ungarn, Polen, der Slowakei und Lettland beworben hat, auf was es ihr bei der Wahl der Uni und des Standortes ankam und wie sie ihre Bewerbungen und die Aufnahme-tests vorbereitet und erlebt hat.

Ich bin Sina, komme aus Berlin und habe 2014 mein Abi mit 2,4 gemacht. Schon in der Oberstufe hatte ich den Wunsch Zahnmedizin zu studieren. Ich wusste natürlich, dass der NC hoch ist, dachte jedoch, das würde schon alles werden. Nach dem Abi bin ich erstmal ein Jahr durch Australien gereist: Work and Travel! Das war für mich die Gelegenheit meinen Berufswunsch noch einmal zu überdenken, um mit der perfekten Lösung zurück nach Hause zu kommen. Es stellte sich jedoch heraus, dass man in Australien viel Besseres zu tun hat, als sich über die Zukunft Gedanken zu machen…

Und so kam ich im Sommer 2015 zurück und stand vor demselben Problem, wie zuvor. Beworben hatte ich mich nun schon zum dritten Mal für die Zahnmedizin – ohne Erfolg. Langsam wurde mir klar, dass an den Gerüchten über das endlose Warten auf einen Medizinstudienplatz wohl doch etwas Wahres dran ist.

Zum Herbst startete ich dann ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Naturkundemuseum, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Durch Freunde erfuhr ich von der Studienberatung planZ und entschloss mich zu einer eignungsdiagnostischen Studienberatung, um vielleicht ein paar Alternativen zur Zahnmedizin zu finden. Meine Studienberaterin empfahl mir ein paar sehr spannende Studiengänge und zeigte mir eine weitere Möglichkeit, über die ich noch nicht nachgedacht hatte: Ein Zahnmedizinstudium im Ausland.

Ich hatte anfangs noch Zweifel, letztendlich habe ich mich aber für den Weg ins Ausland entschieden: Weiter warten wollte ich auf keinen Fall und etwas anderes studieren auch nicht! Mit Hilfe meiner Studienberaterin suchte ich mir also aus den verschiedenen englisch- und deutschsprachigen Zahnmedizinstudiengängen in Osteuropa diejenigen herausgesucht, für die ich mich bewerben wollte: Meine Wahl fiel auf die deutschsprachigen Studiengänge in

  • Pécs (Ungarn) und
  • Budapest (Ungarn)

und die englischsprachigen in

  • Riga (Lettland),
  • Breslau (Polen),
  • Stettin (Polen),
  • Brno (Tschechien),
  • Pilsen (Tschechien) und
  • Bratislava (Slowakei).

Die Links zu den Unis findet ihr ganz unten auf dieser Seite! 

Wichtig bei der Wahl waren für mich die Höhe der Studiengebühren, die Erreichbarkeit der Uni von Berlin aus und die Auswahlkriterien der Unis.

Meiner Meinung nach reichen acht Unis für die Bewerbung aus! Denn das ganze Bewerbungs-procedere ist schon sehr zeit- und kraftintensiv:

So musste ich von Amt zu Amt rennen um alle Bescheinigungen und Beglaubigungen einzuholen. Hinzu kam der TOEFL, ein Englischzertifikat, das einige Unis wünschen. Ich habe zur Vorbereitung einen Volkshochschulkurs belegt und Filme und Bücher in Englisch gesehen und gelesen und den TOEFL letztendlich auch gut geschafft. Die Riga Stradins University wollte ein Motivationsschreiben und zwei Empfehlungsbriefe von meinen Lehrern. Das gestaltete sich auch etwas schwierig, da die Briefe natürlich auf Englisch sein müssen und meine Lehrer sowas noch nicht geschrieben hatten. Und dann musste ich mich nebenher auch noch auf die Aufnahmetests einiger Unis vorbereiten.

Um mich all dem zu widmen brach ich im Frühjahr mein FÖJ ab, um Zeit für die Bewerbung und die Testvorbereitung zu haben. Meine Studienberaterin empfahl mir einen Nachhilfelehrer, mit dem ich meine Defizite in Bio, Chemie und Physik aufarbeitete. Physik hatte ich in der zehnten Klasse und Chemie in der elften Klasse abgewählt! Ich stand also vor einem ziemlichen Loch, dass ich innerhalb von wenigen Wochen füllen musste. Da musste ich mich wirklich von morgens bis abends reinhängen.

Anfang Juni stand dann der erste Test für die Masaryk University in Brno an. College Contact organisiert jedes Jahr einen Test in Münster, was für mich total praktisch war. Für die Vorbereitung schaute ich mir im Internet auch die Tests der letzten Jahre an und war total verzweifelt: Den Stoff hatte ich erst einmal auf Deutsch aufgearbeitet, da es mir wichtig war auch alles in der kurzen Zeit zu verstehen. Der Test war aber natürlich komplett auf Englisch, wodurch viele Fragen sehr kompliziert und unverständlich wirkten.
Am Testtag saßen dann ca. 30 andere Bewerber mit mir im Raum. Man konnte neben Bio und Chemie zwischen Mathe oder Physik als Prüfungsteil entscheiden. Eine nette Uni-Mitarbeiterin aus Brno erzählte uns noch etwas über die Uni und beantwortete ein paar Fragen, dann hatten wir drei Stunden Zeit den Test zu bearbeiten. Es gab keine offizielle Pause zwischendurch und ich persönlich habe alle drei Stunden vollkommen ausgenutzt. Einige waren aber auch schon viel früher fertig (oder wussten einfach nicht weiter…)
Der Test war nicht leicht. Es lohnt sich vor allem in Bio, die alten Testfragen durchzuarbeiten, da diese teilweise wiederverwendet werden. Chemie geht schon sehr tief, ich war aber durch die Nachhilfe gut vorbereitet. In Physik bin ich mit viel Glück durch-gerutscht – jedenfalls ist es mir gelungen, 60% der Fragen korrekt zu beantworten. Das braucht man mindestens um den Test zu bestehen Und so hielt ich schon einige Tage später meine Zusage aus Brno in der Hand: Ein super Gefühl! Ich konnte kaum glauben, dass ich so schnell an meinen Studienplatz komme!

Für den zweiten Test musste ich zur Karlsuniversität  nach Pilsen fahren. Insgesamt war der Testtag zwar ähnlich, wenn auch deutlich mehr internationale Bewerber da waren. Die Deutschen waren dennoch in der Überzahl, was daran liegen mag, dass Pilsen sehr nah an der Grenze liegt. Vor dem Test wurden unsere Reisepässe geprüft und dann noch einige Anweisungen zum Test gegeben.
Der Test in Pilsen war etwas länger als der der Masaryk Universität und nach jedem Testabschnitt wurde eine Pause gemacht. Im Endeffekt werden aber so ziemlichdie selben Themengebiete geprüft. In jedem der drei Themengebiete muss man 50% der Fragen richtig beantworten, um zu bestehen. Ich war natürlich schon viel abgebrühter als beim ersten Mal und bin wieder durchgekommen!

Der dritte und letzte Test für mich war in Bratislava an der Comenius University. Hierzu konnte man sich ein Fragenheft mit je 500 Fragen zu Chemie und Biologie übers Internet kaufen. Dieses Buch empfehle ich sehr, da der Test im Endeffekt haargenau auf diesen Fragen beruht. Ich hatte das nicht geglaubt und habe stattdessen versucht, alle Themengebiete aus den Fragen zu erarbeiten, was natürlich viel zu viel war! Der Test lief ähnlich, wie die anderen. Allerdings mussten wir beim Einlass unsere Taschen abgeben und bekamen einen Stift und Taschenrechner. Den Test in Bratislava habe ich nicht bestanden, weil ich die Fragen nicht eins zu eins auswendig gelernt hatte. Ich würde behaupten, dass dieser Test derjenige ist, der mit der richtigen Herangehensweise am leichtesten zu bestehen ist.
Weitere Zusagen erhielt ich aus Riga von der Riga Stradinš Universität und aus Breslau von der Wroclaw Medical University – nur die beiden deutschsprachigen Unis in Ungarn wollten mir keinen Studienplatz anbieten. Jetzt stand ich vor dem nächsten Problem: Für welche Uni sollte ich mich entscheiden? Das war eine der schwersten Entscheidungen überhaupt, weil es eine Entscheidung für die nächsten 5 Jahre ist!

Meine Studienberaterin vermittelte mir einige Kontakte zu Studenten, die schon an meinen Wunschunis studierten. Die kontaktierte ich per Mail und Facebook. Das war extrem hilfreich und motivierend: Von allen kam durchweg nur positives Feedback und ich erhielt viele Tipps und Hilfestellungen zum Studienstart. Ich bin dann in die verschiedenen Städte gefahren, die ich noch nicht durch einen der Tests gesehen hatte und habe mir Stadt und Uni genauer angeguckt. Letztendlich habe ich mich für Stettin entschieden. Die Gründe lagen bei mir als Berlinerin, vor allem in der Nähe und der guten Erreichbarkeit. Aber auch daran, dass Stettin eine sehr, sehr gute zahnmedizinische Ausbildung in Polen bieten soll und die Studiengebühren vergleichsweise niedrig sind.

Hier nun noch wie versprochen die Links zu den Unis, an denen ich mich beworben habe:

Eine super Übersicht über Studiengebühren, Lebenshaltungskosten, Erreichbarkeit und Sicherheit an den verschiedenen Unistandorten für das Medizinstudium  im Ausland bietet übrigens das Büchlein plan Zukunft – das Magazin: ZAHN- UND HUMANMEDIZINER (ISBN 978-3-946620-00-6). Den Band könnt ihr unter ⇒ diesem Link bestellen oder einfach im Buchhandel kaufen.

Außerdem möchte ich euch noch die Facebook-Gruppe Medizinstudium in Osteuropa empfehlen. Da könnt ihr Leute kennenlernen, die schon studieren und euch zum Beispiel für die gemeinsame Vorbereitung von Aufnahmetests, etc. vernetzen.
⇒ zur Facebookgruppe

 

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Ein Gedanke zu “Zahnmedizin Studium in Osteuropa

  • Ire
    Ire

    Liebe Sina hat eine sehr gute Wahl gemacht. Die Zahnmedizin in Szczecin war schon zu meiner Zeit sehr gut. Ich wünsche Ihr viel Spaß und Erfolg! Vielleicht findet sie sogar Zeit um Polnisch zu lernen. So kann sie die Zeit noch besser nützen und Polen besser kennen lernen.