PM: Infotag Medizinstudium Münster


IMG_4323Münster, 26. September 2015. Tausende Studienbewerber, für die das größte Ziel der Erhalt eines Studienplatzes in der Medizin ist, haben keine reelle Chance, jemals ihren Traum leben und Arzt werden zu können. Notenanforderungen im Bereich von mindestens 1,4 und Wartezeiten von mehr als sieben Jahren stellen praktisch unüberwindbare Hürden für die überwiegende Mehrzahl der Bewerber dar. Denn jedes Wintersemester stehen an den bundesdeutschen Hochschulen nur rund 9.000 Studienplätze in der Humanmedizin für mehr als 40.000 Bewerber zur Verfügung. Die Frustration der abgelehnten Bewerber ist groß. Gleichzeitig steht dem Mangel an Studienplätzen der absehbare, in vielen ländlichen Regionen Deutschlands bereits Realität gewordene Mangel an Ärzten gegenüber.

Die Berliner Studienberatung planZ und die Auslandsstudienexperten von College Contact zeigten auf dem Infotag Medizinstudium am 26. September 2015 im Leonardo Campus der Hochschule Münster Lösungen für den Weg ins Medizinstudium. Die Botschaft der Veranstaltung lautete: Wer wirklich Medizin studieren will, findet auch einen Weg. Rund 300 Besucher, vornehmlich Oberstufenschüler und Abiturienten, aber auch Eltern und Lehrer, nahmen die Gelegenheit wahr, sich über das komplexe Thema im Vortragsprogramm und an den Ausstellerständen zu informieren.

Der Infotag startete mit einem Überblick zum Bewerbungsverfahren an den öffentlichen Unis in Deutschland: Wie werden die Bewerber ausgewählt? Wie funktionieren die Auswahlverfahren der medizinischen Universitäten? Welche Möglichkeiten haben die Bewerber, zusätzliche Punkte für die Auswahlverfahren der Hochschulen zu sammeln? Zu diesen Fragen informierte Patrick Ruthven-Murray, Studienberater bei der privaten Berliner Studienberatung planZ und Autor des Ratgebers „Erfolgreich zum Medizinstudium – Wie ich mir einen Studienplatz in Deutschland oder im Ausland sichere“ (erschienen im Hogrefe Verlag 2013). „Rein rechnerisch“, so Ruthven-Murray, „ist es durchaus möglich mit einer Abiturnote unter 2,0 einen Studienplatz zu erhalten, wenn entsprechende Zusatzleistungen – wie zum Beispiel ein exzellentes Ergebnis im Medizinertest und eine abgeschlossene Berufsausbildung – vorliegen“. Wichtig sei es allerdings, sich ganz genau mit den Auswahlsatzungen der einzelnen Hochschulen auseinanderzusetzen und die Ortspräferenzen bei der Hochschulstartbewerbung entsprechend zu belegen. Außerdem müsse die Zeit nach dem Abitur sinnvoll und zielgerichtet geplant werden, damit alle Chancen optimal genutzt werden können.

2015-09-26 14.58.27Dabei sollten Studieninteressierte mit Studienziel Medizin auch die naturwissenschaftliche Vorbereitung auf das Studium nicht zu kurz kommen lassen. Dr. Lucia Wickert, Fachbereichsleitung Medizinische Bildung am Rheinischen Bildungszentrum in Köln zeigt den angehenden Studierenden, welches fachliche Vorwissen für das Studium relevant ist und wie sich fehlendes Wissen vor dem Studium aufarbeiten lässt. Schließlich ist es an den meisten Gymnasien in Deutschland nicht möglich die drei Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie in der Oberstufe durchgehend zu belegen. „Um den Studienstart zu vereinfachen, empfiehlt es sich, Wissenslücken in den Naturwissenschaften schon vor dem Studienstart zu schließen – beispielsweise durch ein Vorsemester am Rheinischen Bildungszentrum in Köln“, so Dr. Wickert. „Mit Hilfe eines medizinischen Vorsemesters, lässt sich außerdem prima überprüfen, ob das naturwissenschaftliche Lernen, das insbesondere im vorklinischen Studienteil im Medizinstudium täglich gefragt ist, den eigenen Vorstellungen vom Medizinstudium entspricht. Außerdem bereitet das Vorsemester auch auf eventuelle Aufnahmetests an ausländischen Universitäten in den Niederlanden vor.“ Zum Thema Vorsemester ergänzt Ruthven-Murray: „Ich empfehle meinen Klienten in der Studienberatung vor der Entscheidung für ein kostenpflichtiges Vorsemester immer auch die akademische und pädagogische Qualifikation des Lehrpersonals unter die Lupe zu nehmen. Dazu haben die Teilnehmer unserer Studienberatung mit dem RBZ in Köln in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht.“

2015-09-26 15.10.04Eine spannende Möglichkeit, naturwissenschaftliches Lernen und Arbeiten kennen zu lernen, konnten die Teilnehmer auch am Infostand der Jacobs University Bremen zum Medical Preparatory Programm der Hochschule kennen lernen: „Ziel unseres einjährigen medizinischen Vorbereitungsprogrammes ist es, deutsche Abiturienten wissenschaftlich und praktisch auf ein Medizinstudium in Deutschland und im europäischen Ausland vorzubereiten,“ so Dr. Janine Reinhard, Programmkoordinatorin des Vorbereitungsjahres.

Alina Liebich und Philipp Rückert, beide Medizinstudenten im klinischen Studienteil und Campus Captains bei jungmediziner.de erklärten den angehenden Medizinstudenten, was die Studienanfänger im Medizinstudium erwartet und welche typischen Hürden und Stolperfallen in der Vorklinik zu meistern sind.

Zum Thema Studienplatzklage äußerte sich die Rechtsanwältin Mechtild Düsing: „Eine Studienplatzklage kann eine Abkürzung sein, die einen Umweg erspart, der sieben Jahre dauert“. Seit dem Wintersemester liegt die Wartezeit für das Medizinstudium bei sieben Jahren für alle Bewerber, die keine Spitzennote vorweisen können. Durch eine Studienplatzlage konnten im Wintersemester 2014/15 über 120 zusätzliche Studienplätze unter den Bewerbern vergeben werden. „Die Note spielt bei der Vergabe der Studienplätze in der Regel keine Rolle, so dass jeder Bewerber dadurch eine Zulassungschance hat“, erläuterte Rechtsanwalt Achelpöhler, der mit Rechtsanwältin Düsing die Numerus clausus-Verfahren in der Kanzlei Meisterernst, Düsing und Manstetten in Münster betreut. „Wichtig ist, dass sich die Bewerberinnen und Bewerber möglichst früh melden und zwar noch vor ihrer Bewerbung bei der Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulSTART)“, so Rechtsanwältin Düsing. Denn selbst für Studienplätze, die es offiziell gar nicht gibt, sähe das Hochschulrecht mancher Bundesländer Bewerbungsfristen vor.

2015-09-26 14.30.26Wer die Wartezeit auf das Medizinstudium sinnvoll überbrücken will und dabei gleichzeitig den Berufswunsch Arzt auf die Probe stellen möchte und erste berufspraktische Erfahrung sammeln will, kann nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst im Krankenhaus leisten. Maike Wagner und Ralf Holländer Bildungsreferentin beim Deutschen Roten Kreuz in Münster, klärten über die Einsatzmöglichkeiten im Freiwilligendienst auf. „Freiwilligendienste“, so Wagner „sind ein dickes Plus im Lebenslauf: Ein FSJ unterstützt bei der Berufsorientierung, schult Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen und bietet spannende praktische Erfahrungen in sozialen, medizinischen und therapeutischen Bereichen.“ Und Sebastian Thiemann, Pressesprecher der Johanniter Münster, die mit einem Messestand an der Veranstaltung teilnahmen, ergänzte: „Freiwilligendienste können in den Auswahlverfahren der Hochschulen als zusätzliches Kriterium gewertet werden. Ein Freiwilligendienst kann also eine lohnenswerte Investition auf dem Weg ins Medizinstudium sein.“

Auch das Medizinstudium im Ausland fand auf dem Infotag Erwähnung. Einige Beispiele für englischsprachige Studienprogramme in Osteuropa stelle Alexandra Michel, Mitorganisatorin des Infotages in Münster und Mitglied der Geschäftsleitung von College Contact vor, einer offiziellen Repräsentanz der Universitäten in Martin (Slowakei), Hradec Králové, Prag, Brno, Olomouc (Tschechien) und Riga (Lettland). Der Agenturmarkt für die Vermittlung von zukünftigen Studierenden wächst stetig. Im Vergleich zu vielen der neuen Agenturen, die häufig Gebühren von mehreren Tausend Euro von den Studieninteressierten verlangen, bieten die Berater von College Contact den zukünftigen Studierenden kostenfreie Beratung und Vermittlung an. „Die Studiensituation an den osteuropäischen Hochschulen spricht für sich“, so Michel, kleine Gruppen und ein intensives Betreuungsverhältnis seien die Regel. Aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Studiengänge würden nicht nur Englischkenntnisse, sondern auch interkulturelle Kompetenz und Teamfähigkeit trainiert, die den Absolventen im späteren Berufsleben zugutekommen.

2015-09-26 13.35.16Wie man das häufig sehr kostenintensive Studium im Ausland aber auch privaten Institutionen in Deutschland gegenfinanziert, darüber informierte Martin Kütt, unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler bei jungmediziner.de einer Marke der BAZ GmbH (Beratung für Ärzte, Zahnärzte und Heilnebenberufe): „Neben BAföG können auch Studienkredite und Bildungsfonds genutzt werden, um Studiengebühren zu finanzieren. Diese sind auch ohne Sicherheiten zugänglich!“ Außerdem stellte Kütt zahlreiche Stipendienmodelle vor. Regionale Kassenärztliche Vereinigungen vergeben Stipendien an Medizinstudierende, verlangen im Gegenzug aber, dass sich die Absolventen über einen gewissen Zeitraum verpflichten, im ländlichen Raum als Arzt tätig zu werden, so Kütt.

2015-09-26 14.41.45Über den Zugang zum Medizinstudium in Österreich berichteten die beiden Medizinstudenten Alexander Frey und Jan Vosshenrich von der Universität Wien. An den österreichischen Universitäten spielt die Abiturnote beim Studienzugang keine Rolle. Stattdessen erhalten diejenigen Bewerber einen Studienplatz, die beim österreichischen Medizinertest Med-AT am besten abschneiden. Allerdings stehen für Bewerber aus Deutschland insgesamt nur 20% der rund 1.560 Studienplätze in Österreich zur Verfügung – auf die sich jedes Jahr allerdings über 5.000 Studieninteressierte aus Deutschland bewerben. An dem beliebtesten Standort Innsbruck kommt somit ein Verhältnis von ca. 28 Bewerbern pro Studienplatz zustande. Zwar könne man zum Med-AT mehrfach antreten, so Frey, die Testteilnehmer müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass der Konkurrenzdruck extrem hoch sei. Um künftige Bewerber zu unterstützen haben Frey und sein Team das Onlineportal StudyTMS gegründet, auf dem der Med-AT aber auch der deutsche Medizinertest TMS erprobt und geübt werden können. Außerdem bietet das Team um Frey auch Vorbereitungskurse und Online-Seminare an, mit Hilfe derer die Tests sinnvoll vorbereitet werden können.

Der letzte Vortrag auf dem Infotag widmete sich dann wieder ganz dem Thema Zulassung zum Medizinstudium in Deutschland. Insbesondere der TMS – Test für medizinische Studiengänge, der einmal pro Jahr durchgeführt wird und in den Bewerbungsverfahren vieler Universitäten ins Auswahlverfahren einfließt, kann für viele Bewerber Türen öffnen, wenn ein sehr gutes Ergebnis erreicht wird. Wie der TMS abläuft, wie man ihn vorbereiten kann, welche typischen Fehler gemacht werden, darüber informierte Patrick Ruthven-Murray von der Berliner Studienberatung planZ die Studieninteressierten. „Der TMS kann die Chancen auf einen Studienplatz verbessern, er verschlechtert die Chancen bei schlechtem Abschneiden jedoch nicht“, erklärte Ruthven-Murray. Er riet den Abiturienten, die Testvorbereitung sehr ernst zu nehmen und den Test intensiv zu trainieren. Schließlich könne jeder Bewerber nur einmal am TMS teilnehmen. Allerdings betonte er, dass ab einer Abiturnote von ca. 1,8 neben dem sehr guten Testergebnis weitere Bonuspunkte gesammelt werden müssten.

Neben dem Medizinertest TMS können Bewerber ihre Auswahlchancen seit einigen Semestern auch über die Teilnahme am Hamburger Naturwissenschaftstest (HAM-Nat) verbessern. Der HAM-Nat wird an den Unis in Hamburg, Magdeburg und an der Berliner Charité durchgeführt. Anders als zum TMS können sich die Bewerber zum HAM-Nat nicht einfach anmelden. Stattdessen wird eingeladen, wer bestimmte Bedingungen erfüllt. So müssen die Bewerber, die entsprechende Uni in ihrer Hochschulstartbewerbung an Platz 1 der Ortspräferenzen in der AdH-Quote nennen, erläuterte Ruthven-Murray. Damit ist die Einladung zur Teilnahme aber noch nicht sicher, denn es steht nur eine begrenzte Zahl an Testplätzen zur Verfügung. „An der Charité lag die Auswahlgrenze für die Teilnahme am HAM-Nat im Wintersemester bei einem Abischnitt von 1,5 in Magdeburg hingegen bei 1,8 bzw. 1,9 mit Dienst“, so Ruthven-Murray. „Ebenso wird übrigens bei der Einladung der Bewerber für die Teilnahme an persönlichen Auswahlgesprächen oder so genannten Multiple-Mini-Interviews verfahren, wie sie etwa in Göttingen, Hamburg oder auch hier in Münster durchgeführt werden!“ In den Auswahlgesprächen ginge es insbesondere darum, die persönliche Studienmotivation darzulegen. Ruthven-Murray warnte allerdings davor, unvorbereitet in ein solches Gespräch zu gehen. Er empfiehlt, nicht nur gute Argumente zu finden, sondern diese möglichst auch durch bereits erbrachte Leistungen verifizieren zu können

2015-09-26 13.05.58Auch das Medizinstudium bei der Bundeswehr fand auf dem Infotag Erwähnung. „Als wesentlichen Vorteil empfanden unsere Standbesucher die Tatsache, dass man während der gesamten Zeit der Ausbildung, also auch während des Studiums, seine volles Gehalt ausgezahlt bekommt“, erklärt Oberleutnant Andreas Kremer, Karriereberatungsoffizier bei der Karriereberatung der Bundeswehr in Münster. Auch die Zeit nach der Approbation als Arzt stellt sich bei der Bundeswehr wesentlich attraktiver da, als die des Assistenzarztes in einem „zivilen“ Krankenhaus. „In Gegensatz zu vielen jungen Assistenzärzten im zivilen Bereich erwartet unsere Ärzte ein geregelter Arbeitsablauf und schon sehr früh eine Tätigkeit mit viel Verantwortung für Material und vor allem Personal“, erläutert Kremer das spätere Berufsbild nach dem Studium. Ebenfalls stellte er klar: „Bei der Bewerbung ist nicht in erster Linie der „Numerus Clausus“, also der Notendurchschnitt des Abiturs entscheidend, sondern die Eignung zum militärischen Führer und Vorgesetzten. Bei der Studieneignung werden allerdings ähnliche Standards und Testverfahren gesetzt wie bei den Auswahlverfahren der medizinischen Fakultäten deutschlandweit. Daher ist ein sehr gutes Abitur, für das Auswahlverfahren Voraussetzung“, so Kremer.

8Der Infotag Medizinstudium in Münster hat mir gut gefallen. Es gab viele, wichtige Infos rund um den Zugang zum Medizin Studium in lockerer und entspannter Atmosphäre. Das Programm war gut zusammengestellt und bis zum Ende spannend, resümierte. Irmgard Götze vom STUDI-Info, Magazin für Studienplatzbewerbung und Studienstart, den Infotag Medizinstudium. Und Malte Eilenstein, Studienberater bei der Berliner Studienberatung planZ ergänzt: „Auf dem Weg ins Medizinstudium helfen neben guten Noten vor allem valide Informationen, die eine gute Planung überhaupt erst möglich machen. Dabei möchten wir durch unserer Studienberatung – aber auch mit dem Infotag und weiteren zielgruppengerechten Veranstaltungen für Schüler und Eltern unterstützen. “

Und auch die Teilnehmer äußerten sich zufrieden: „Meine Eltern und ich haben am Infotag sehr viele wichtige Informationen über das Medizinstudium erhalten. Die Vorträge waren gut strukturiert und man konnte den Referenten sehr gut folgen. Es hat mir sehr gut gefallen, dass es eine große Vielfalt an verschiedenen Themen zum Studium gab. Eine rundum gelungene Veranstaltung!“, so die Abiturientin Katharina E. Und Frances L. ergänzt . Besonders spannend war für mich, von den zwei Studenten ihre Eindrücke und Erfahrungen zu hören und ihnen spontan alle Fragen stellen zu können.“

Der nächste Infotag zum Medizinstudium ist in Berlin am 14. November – also rechtzeitig vor dem Bewerbungsschluss zum Sommersemester am 15. Januar – geplant. Information und Anmeldung unter:
http://planz-studienberatung.de/events/infotag-medizinstudium-berlin-november15 

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