Motivationsschreiben


Für viele Studiengänge wird heute ein Motivationsschreiben verlangt. Die meisten Studienbewerber haben gerade einmal in der zehnten Klasse im Deutschunterricht gelernt, wie ein Lebenslauf erstellt wird – da ist ein gutes Motivationsschreiben eine echte Herausforderung. Ohne den Deutschunterricht verunglimpfen zu wollen: Mit dem Lebenslauf fängt alles an – und der ist auf dem zehnte Klasse Niveau nicht für eine ernsthafte Bewerbung zu gebrauchen.

Lebenslauf und Motivationsschreiben sind immer als eine Symbiose mit einer gemeinsamen Aussage. Wer also ein Motivationsschreiben formuliert, muss immer beides denken.
Oft werde ich nach Regeln gefragt, wie ein Motivationsschreiben denn nun gut wird. Die ehrliche Antwort ist: Es gibt keine Regeln – keinen Standard. Motivationsschreiben und Lebenslauf sind eine Arbeitsprobe, in der der Bewerber zeigt, wie er ein Problem löst. Hier: Ich habe verstanden wofür ich mich bewerbe, ich kann mich im Verhältnis dazu gut darstellen. Daraus folgt, dass jede Aussage dem folgenden Test bestehen muss:

  • Ist es für mich wichtig?
  • Ist es für die Stelle wichtig?
  • Passt alles zusammen?

Eine der ersten Überlegungen sollte sein, welcher Schreibstil passt. Bewerbe ich mich für ein Studium mit sozialen und helfenden Aspekten, kann der Schreibstil freundlich und zurückhaltend sein. Gilt die Bewerbung einer technischen Stelle ist Sachlichkeit gefragt und wer sich für eine Führungsstelle bewirbt sollte sehr selbstbewusst und vielleicht sogar etwas aggressiv schreiben. In jedem Fall sollte das Schreiben Sicherheit vermitteln. Diese Sicherheit benötigt der Bewerbungsempfänger, um sich für den Bewerber zu entscheiden. Der Konjunktiv als Höflichkeitsform sollte vermieden werden, weil der Konjunktiv nicht Höflichkeit, sondern vor allem Zweifel und Unsicherheit ausdrückt.

Ist ein Schreibstil gewählt, wird dieser konsequent umgesetzt. Die Bedeutung des Schreibstils soll nicht unterschätzt werden. Besonders wichtig im Motivationsschreiben ist, die Zeit meines Lesers nicht zu verschwenden. Es gilt, ohne Schnörkel und Umschweife auf den Punkt zu kommen. Schließlich wollen alle pünktlich Feierabend machen. Gerade zu Beginn eines Schreibens liest sich im ausschweifenden Schwadronieren eine starke Unsicherheit des Autors heraus. Mein Tipp: einfach drauf losschreiben und später den Textanfang bis zu der Stelle löschen an der die erste wichtige Aussage steht. Einen Satz wie „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit möchte ich mich bei Ihnen bewerben…“ braucht kein Mensch.
Bei der inhaltlichen Konzeption ist es sehr wichtig, mich auf den Sinn eines Motivationsschreibens zu konzentrieren. Es geht darum zu zeigen, was ich erreichen möchte und inwiefern die Stelle notwendig ist dieses Ziel zu erreichen. Bevor ich also darauf los schreibe, sind einige Überlegungen notwendig:

  • Welche Ziele verfolge ich mit der Stelle?
    Es lohnt sich auf diese Fragestellung ein paar Stunden zu verwenden. Die Antworten werden auch im Bewerbungsgespräch weiterhelfen.
  • Was sind die Ziele meines Gegenübers?
    Das ist recht leicht herauszufinden: Die Stellenbeschreibung gibt hier meist freigiebig Auskunft. Bei Studiengängen steht in der Prüfungsordnung meist ein Studienziel.
  • Wo sind die Schnittmengen?
    Hier ist wieder das gute alte Brainstorming gefragt. Wer hier eine gute Gegenüberstellung erarbeitet, muss später nur noch alles runterschreiben.
  • Wie kann ich darstellen, dass die die Ziele erreichen kann?
    Arbeitgeber oder Hochschulen entscheiden sich für die Bewerber, die mit Sicherheit vermitteln, dass sie die gesteckten Ziele erfüllen. Hier wird gezeigt, dass der Bewerber über die notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten verfügt. Am einfachsten lässt sich dies aus dem Lebenslauf heraus argumentieren. Wer bereits ein Jahr im Ausland gelebt hat wird auch wieder im Ausland bestehen können, wer in der Schule gut in Mathematik war wird sicherlich im Studium auch mathematisch anspruchsvolle Fächer bewältigen können.

Oder mal ganz praktisch formuliert:

Ich möchte international anerkannter Rosenzüchter werden. Dafür ist meine Teilnahme am Kurs „Rosenzüchten auf Weltklasseniveau“ ein sehr wichtiger Schritt für mich auf dem Weg zu diesem Ziel. Bereits in verschiedenen regionalen Wettbewerben konnte ich erste Erfolge erzielen und strebe jetzt an, meine Fähigkeiten zu vertiefen. Meine erlangten Kenntnisse aus dem Kurs „Rosendüngen für Profizüchter“ kann ich gewinnbringend in dem Kurs einbringen und so zum Erfolg des Kurses einen erheblichen Beitrag leisten.

Dabei ist die Struktur in einem Motivationsschreiben ungefähr so:

Mein Ziel – Bezug zur Stelle – Bisheriger Erfolg auf dem Weg zum Ziel – Mein nächster Schritt, der einen Gewinn für die Stelle verspricht.

Das alles kann natürlich umstrukturiert und verschachtelt werden. Die Kernaussagen sollten jedoch immer enthalten sein.

Parallel zum Motivationsschreiben wird der Lebenslauf erstellt. Hier kann ich in ähnlicher Reihenfolge wie im Motivationsschreiben meine Argumente stützen. Während ich im Motivationsschreiben auf meine Ziele konzentriert bin und deswegen meine bisherigen Erfahrungen nur kurz aufführe, kann ich im Lebenslauf deutlich weiter ausholen. Hier gilt es den Menschen mit seinen Erfahrungen hinter den Zielen darzustellen. Dabei soll neben der Leistungsfähigkeit auch dargestellt werden, dass ich als Bewerber eine vielschichtige Persönlichkeit biete und auch den Arbeitsstress im privaten Leben verarbeiten kann. Aber Vorsicht bei den Hobbies: Diese sollten im Lebenslauf ein gesundes Gleichgewicht zu den beruflichen Ambitionen aufzeigen. Auch beim Lebenslauf gilt die Grundlage, dass es sich um eine Arbeitsprobe handelt.

Wer also den Lebenslauf aus der zehnten Klasse verwendet, indem akribisch und tabellarisch aufgeführt ist, was ein Bewerber von Geburt bis heute abgearbeitet hat, zeigt weder die Bereitschaft sich weiter zu entwickeln, noch ein Problembewusstsein oder die Fähigkeit aufgabenbezogen zu arbeiten. Auch beim Lebenslauf gilt: Nur die wichtigen Themen in der Reihenfolge ihrer Bedeutung. Unwichtige Dinge fliegen raus. Wer also in seinem Lebenslauf aufführt, dass er die Grundschule besucht hat parallel jedoch nicht die Abiturnote anführt, zeigt dass er Wichtiges nicht von Unwichtigem trennen kann.

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